Freud und Leid der Mid-Generation-Konsolen

Nicht mehr lange, dann steht die neue Xbox One X (ehemals Project Scorpio) im Handel. Genauso wie die Xbox One S, mehr noch jedoch wie die PlayStation 4 Pro handelt es sich bei dieser um ein gänzlich neues Phänomen, eine neue Konsolengeneration inmitten einer Konsolengeneration. Bei Microsoft passt das meines Erachtens nach aber deutlich besser in das bestehende Konzept als bei Sony: Schon länger versucht der Redmonder Konzern, Systemgrenzen zu überwinden – Xbox Play Anywhere etwa erlaubt es, im Xbox-Ökosystem digital erworbene Spiele sowohl auf der Xbox One als auch auf dem Windows-PC zu spielen, ohne weitere Zusatzkosten. Auch die Abwärtskompatibilität der Xbox One zu (ausgewählten) Spielen der Xbox 360 und demnächst auch der OG Xbox ist Teil dieser neuen Marschrichtung, während bei Sony die Titel als Classics dann doch noch immer neu erworben werden müssen (Primal etwa besitze ich mittlerweile für PlayStation 2, PlayStation 3 und PlayStation 4 – zwar jedes Mal im Sale gekauft, aber nichts desto trotz gekauft). Aber darum soll es hier gar nicht gehen.

Am 7. November erscheint also die Xbox One X und auch ich habe die Kiste vorbestellt und freue mich wie ein Schnitzel darauf, endlich natives 4K auf meinem neuen UHD-TV genießen zu können. Immerhin: Die PlayStation 4 Pro bietet zwar eine Ausgabe in 4K bei einigen Titeln, erkauft sich diese mitunter jedoch mit einigen Tricks (etwa Checkerboard-Rendering). Ich glaube jedoch, dass wir auch auf der Xbox One X noch längst nicht jeden Titel in nativem 4K geboten bekommen werden. Aber immerhin: Die wichtigsten Titel dürften diesen Schritt gehen. Während ich mich darauf freue, fällt aber auch mein Blick auf die PlayStation 4. Jan etwa ist direkt mit einer PlayStation 4 Pro in das Sony-Lager eingezogen, ich habe noch die normale Konsole. Und bei Spielen wie Horizon Zero Dawn oder zuletzt Uncharted: The Lost Legacy ärgert mich das gewaltig, gerade angesichts des neuen Fernsehers. Das Gefühl, dass es eben NOCH BESSER aussehen könnte, dass man stabilere Framerates und schärferes Rendering verpasst. Fear of Missing Out, sagt man dazu. Und es scheint hier berechtigt zu sein. Längst ist es eben nicht so, dass jeder auf den Konsolen das gleiche Spiel genießen kann. Ein wenig wirken diese Mid-Generation-Konsolen damit wie eine Spaltung der Community. Eine Gefahr, die noch mehr die Xbox One X treffen könnte, ist der Leistungs-Abstand zur originalen Xbox One doch deutlich größer als der zwischen PlayStation 4 und PlayStation 4 Pro. Ja, die Spiel-Erfahrung verändert sich mitunter durch die Technik.

Eine weitere Problematik könnte werden, dass die Xbox One X durch die “alten” Systeme zurückgehalten wird. Spiele sollen auf allen Plattformen vernünftig laufen. Engines sind heutzutage sehr gut skalierbar und auf die Leistung der Zielplattform meist ohne größere Anstrengungen anpassbar. Aber die Entwickler sind natürlich gezwungen, bestimmte Aspekte wie die Framerate auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen, sobald es um Multiplayer geht. Das wird jedes Call of Duty genauso treffen wie etwa ein Anthem. Mehr noch Spiele mit jederzeit möglichem Drop-in-Drop-out. Immerhin: Von der höheren Auflösung und möglicherweise höher aufgelösten Texturen profitiert man in jedem Fall.

Wie das aussehen kann, zeigt sich am Beispiel von Shadow of Mordor: Am PC lassen sich etwa ein 4K Cinematic Pack (Zwischensequenzen in 4K) und ein High Resolution Texture Pack (Texturen höher aufgelöst) runterladen – beide zusammen um etwa 40 GB groß. Das 4K Cinematic Pack gibt es auch für PlayStation 4 Pro, das Texturenpaket werden wir jedoch wohl erst auf der Xbox One X zu sehen bekommen, der Video-RAM der PlayStation 4 Pro dürfte hier an ihre Grenzen geraten. Aber der Blick auf den PC offenbart auch eine andere Lösung, nämlich für die Framerate. Als PC-Entwickler weiss ich nie, auf welcher Hardware mein Spiel gespielt werden wird. Und so werden bei einem Call of Duty sicher einige Spieler mit augenzersetzenden 15 Frames pro Sekunde rumrennen. Solange die Spiele auf den “alten” Konsolen zumindest einige Mindeststandards auch in Zukunft erfüllen, wäre das ein gangbarer Weg.

Irgendwann wird man um ein Hardware-Upgrade aber wohl doch nicht herum kommen. Und ich sehe schon kommen, dass nach der Xbox One X mir die PlayStation 4 nicht mehr genügen wird und ich doch noch das Pro-Update vollziehen werde, sofern Sony nicht bis dahin noch etwas gänzlich neues angekündigt hat. Bis zu einer wirklich neuen Konsolengeneration werden wir jedoch sicherlich noch einige Jahre warten müssen.

Wie steht ihr zu der neuen halben Konsolengeneration? Xbox One X vorbestellt, PlayStation 4 Pro im Regal? Ist euch das egal? Schreibt es uns doch in die Kommentare…

Über Sven 9 Artikel
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