Dangerous Golf – Review

Wer wollte sich nicht schon mal wie ein Elefant im sprichwörtlichen Porzellanladen aufführen? Das frisch gegründete Studio Three Fields Entertainment erfüllt uns diesen Wunsch. In Dangerous Golf dreht sich alles um Sachbeschädigung im großen Stil mit kleinen Mitteln.

 

Obwohl “Golf” im Titel steht, hat das Arcade-Spiel relativ wenig mit der Rentner-Sportart gemeinsam. Das Ziel besteht zwar auch darin, einen Golfball in das richtige Loch zu versenken, aber zwischen dem Abschlag und dem Einlochen spielt sich eine reine Zerstörungsorgie ab. An Orten wie Küchen, WCs, Weinkeller oder Tankstellen gilt es möglichst viel von der Einrichtung zu demolieren. Egal ob Champagner-Flaschen, unbezahlbare Büsten oder leckere Schokoladenkuchen. Nichts ist vor unserem fliegenden Ball sicher.

Dangerous Golf läuft in drei Phasen ab. Am Anfang jedes Kurses – von denen es 100 Stück im Spiel gibt – muss zunächst eine Mindestanzahl an Objekten getroffen werden. Wenn dies geschafft wurde, wird der sogenannte Smashbreaker aktiviert. Dieser verwandelt den Ball in eine flammende Waffe, die von euch direkt gesteuert werden kann. Doch die heiße Phase hält nur für eine begrenzte Zeit. Wenn diese abgelaufen ist, muss nur noch eingelocht werden.

Das Konzept des Golfspiels mit Hang zum Kollateralschaden erinnert unweigerlich an den Crashmodus aus der Burnout-Spielreihe. Das kommt nicht überraschend. Schließlich stehen hinter dem Studio einige Gründungsmitglieder des Burnout-Entwicklers Criterion. Auch hier wird mit unkonventionellen Mitteln möglichst viel Schaden angerichtet, um einen großen Highscores zu erreichen.

 

Häufig müsst ihr den richtigen Winkel erwischen, um möglichst viele Objekte hintereinander zu treffen.
Es hilft, den richtigen Winkel zu erwischen, um möglichst viele Objekte hintereinander zu treffen.

Leider fühlt sich Dangerous Golf längst nicht so befriedigend an, wie es in der Rennspiel-Vorlage der Fall gewesen ist. Dieser Umstand kann auf einige technische Mängel und fragwürdige Design-Entscheidungen zurückgeführt werden. Das Spiel leidet unter einer schlechten Kamera, die für mangelnde Übersicht sorgt. Besonders beim Abschlag können wir aufgrund der fixierten Ansicht nicht immer erkennen, wo sich der Ball gerade beefindet. Dazu kann es passieren, dass sich unsere zweckentfremdete Waffe unter einem großen Trümmerhaufen oder einen Regal versteckt. Bis auf Scherben und Müll ist in diesen Situationen nicht viel zu sehen. Per Tastendruck können wir die Zielflagge zwar farblich hervorheben. Aber im Zusammenspiel mit den Bonusflaggen, die zusätzlich Geld einbringen, ist das Ziel nicht immer deutlich auszumachen.

Das Spielprinzip bleibt sich in den meisten Kursen treu. Zwischendurch gibt es ein paar Zusatzfähigkeiten, die etwas Auflockerung ins Spiel bringen. So können auch Bomben platziert oder Putzeimer als Transportmittel genutzt werden. Dadurch wird das Konzept um eine leichte taktische Komponente erweitert. Leider gibt es auch einige nervige Level. In einigen Karten erhält der Spieler die Aufgabe, dutzende Löcher unter Zeitdruck zu treffen, ohne dass die Zerstörung im Vordergrund steht. Das ist weder spielerisch anspruchsvoll, noch macht es Spaß. In solchen Momenten zeigt sich Dangerous Golf von seiner unkreativen Seite.

Als Grafikmotor kommt die Unreal Engine 4 zum Einsatz. Einige Effekte können sich durchaus sehen lassen. Das Spiel punktet vor allem in der Darstellung der Physik. Es sieht wirklich beeindruckend aus, wenn ein Tisch mit über 60 gestapelten Gläsern physikalisch korrekt umkippt. Gerade in diesem Chaos kann ich über matschige Texturen gerne hinweg sehen. Was ich aber nicht übersehen kann, sind die massiven Framerate-Einbrüche.  In der von mir getesteten Xbox One-Version waren eine Handvoll Kurse schlicht unspielbar, weil eine halbwegs flüssige Darstellung nicht erreicht werden konnte. Ein konstantes Ärgernis sind auch die verhältnismäßig langen Ladezeiten. Beim Laden und Neustarten eines Kurses habe ich immer 20 bis 30 Sekunden warten müssen. Wenn dann ein Schlag direkt zu Beginn daneben geht, befinde ich mich häufig länger im Ladebildschirm als im eigentlichen Spiel. Die gelegentlichen Abstürze bekräftigen meinen Eindruck, dass hier mehr als nur technischer Feinschliff nötig gewesen wäre.

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Es gibt einige besondere Gegenstände in den Kursen. Wenn diese getroffen werden, erhält der Spieler einen Geldbonus.

Auch die Steuerung verhindert, dass sich beim Spielen von Dangerous Golf mein Frust in Grenzen hält. Trotz der überschaubaren Anzahl an Eingabeoptionen wirkt die Bedienung nicht wirklich intuitiv. Da die Kamera nur in waagerechter Position gedreht werden kann, wird das gezielte Lenken und Positionieren des Balls erschwert. Oft geht der Ball nicht da hin, wo man ihn eigentlich hinlenken möchte. Als Ausgleich dafür ist das Spiel sehr großzügig, was das Einlochen betrifft. Selbst ein blinder Abschlag auf gut Glück wird häufig mit Erfolg gekrönt. Wie genau das passiert ist aufgrund der fehlenden Übersicht nicht immer erkennbar.

Diese Schwächen wirken sich insgesamt zu sehr negativ auf meine Motivation aus. Nach Beendigung der Solo-Tournee, wofür ich grob fünf Stunden benötigt habe, hatte ich wenig Lust verspürt, die restlichen Goldmedaillen zu erspielen. Der Drang nach der höchsten Highscore war aus meiner Sicht beim Crashmodus von Burnout immer vorhanden. Selbst die gescheiterten Versuche haben mir dort immer noch Spaß bereitet. Doch in Dangerous Golf fühlt sich das Sammeln nach hohen Punktzahlen in einigen Kursen eher als Last an.

Die Kampagne kann auch mit Freunden im Kooperations-Modus durchgespielt werden – aber leider nur im Offline-Modus. Und selbst dann kann nur nacheinander abgeschlagen werden und nicht gleichzeitig. Wer lieber auf Online-Matches steht, muss sich auf eine Enttäuschung gefasst machen. Bei den Party-Duellen sieht man mit Ausnahme der Punktzahl nichts, was sich beim Konkurrenten auf dem Bildschirm abspielt. Da es im Solo-Modus ohnehin Highscore-Vergleiche mit Freunden gibt, bringt dieser Online-Modus inhaltlich nichts neues auf den Tisch.

 

Dangerous Golf klingt auf dem Papier nach einem spaßigen Spielerlebnis. Obwohl sich das zerstörerische Spielkonzept bereits in anderen Games bewährt hat und längst noch nicht ausgereizt ist, wollte sich der Spaß bei mir nicht über die gesamte Spieldauer erstrecken. Die unübersichtliche Kamera, die nervigen Ladezeiten und die undurchdachte Steuerung haben meine Begeisterung im Laufe der Solo-Kampagne in unschöner Regelmäßigkeit gebremst. Das ist bitter, denn ich bin der Überzeugung, dass Dangerous Golf mit einem halben Jahr mehr Entwicklungszeit viele seiner Schwächen los geworden wäre.

 

Anmerkung des Redakteurs: Three Fields Entertainment haben inzwischen einen Patch für Dangerous Golf veröffentlicht. Dadurch konnten viele Mängel des Spiels behoben werden. Das Neustarten eines Levels dauert nur noch wenige Sekunden. Weiterhin wurde die Kamera verbessert, so dass man dem Golfball auch beim Abschlag und Einputten folgen kann. Ein neuer Trainingsmodus und eine vereinfachte Steuerung kommen besonders Einsteigern entgegen. Diese zahlreichen Verbesserungen hätten schon zum Launch integriert sein müssen. Aber was soll’s: Im aktuellen Zustand erweist sich Dangerous Golf als spaßige, wie kurzweilige Highscorejagd.